Vertiefung

GraffitiundWritingsanderEastSideGallery

Daniel Kensbock beim Sprühen an der West Side Gallery, 1992, Schuhe und Jacke hat er aufbewahrt, 2021

"Die Mauer war so ein Angstding; dann wurde sie zu unserer Leinwand. [… ] Als die Mauer fiel, war das natürlich so eine Genugtuung, da herumzukrakeln."

Erik Mahnkopf aus Ost-Berlin über das Sprayen 1990, 2021

In DDR war das Berühren oder gar das Bemalen der Berliner Mauer verboten. Sprühdosen gab es nicht. Gemalt und gekritzelt wurde z.B. in der Schule auf Tische, Bänke, Stühle – auf alles, was unauffällig war, aber kaum im öffentlichen Raum. In West-Berlin war Graffiti möglich und auch, wenn es verboten war: Die Berliner Mauer in West-Berlin war bemalt mit großen Bildern und beschrieben mit politischen Parolen. Nach dem Mauerfall erlebte die Szene einen Aufschwung: Gesprüht wurde in der wiedervereinten Stadt auf alles, was frei war. Die Reste der Berliner Mauer spielten dabei eine besondere Rolle, war es doch jetzt möglich, auch von Ost-Berlin aus an sie heran zu kommen. Sprayer und Writer aus der ganzen Welt verschönerten die Berliner Mauer, die längst zu einem Symbol für Freiheit und die friedliche Überwindung der SED-Diktatur geworden war. Auch in der Mühlenstraße wurde die weiße Rückseite der East Side Gallery bemalt: Einfach so, ohne Genehmigung entstand Kunst, die jedoch im Gegensatz zur East Side Gallery nicht erhalten wurde. Dabei war das Graffiti fast so berühmt wie die Galerie – beides fand sich auf den Postkarten, die in den 1990er Jahren aus Berlin-Friedrichshain verschickt wurden.

Bild von „Steak“ und der „CAF-Crew“ an der West Side Gallery, 1993
Bild von „Steak“ und der „CAF-Crew“ an der West Side Gallery, 1993

Das Graffiti auf der Rückseite der East Side Gallery war in den 1990er Jahren eine Berliner Sehenswürdigkeit, die – wie die Bilder an der East Side Gallery – als Postkartenmotiv verschickt werden konnte.

Zeitzeugen erinnern sich

Gangs im Westen, Rechte im Osten
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Freiräume entlang der East Side Gallery: Feiern, Sprayen, Wagenburg
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Aneignung des Freiraums, Aneignung der Stadt
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Die Eroberung der Mauer durch Graffiti
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Kreuzberger Image im restlichen West-Berlin
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Motivation für das Sprayen
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Was ist eigentlich Style Writing?
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Freiräume nach dem Mauerfall
Erik Mahnkopf und Daniel Kensbock

Weiterführende Informationen:

Die Graffiti Lobby Berlin kuratiert Graffiti an der „North Side Gallery“ in Berlin-Mitte: https://www.graffiti-lobby-berlin.de/41.html

Podcast mit Sprayern der ersten Generation nach 1989: https://ilovegraffiti.de/blog/2020/11/24/podcast-038-graffiti-in-berlin-vor-und-nach-dem-mauerfall-skume-bas2-von-den-ghettostars/

Buchempfehlung: Peter Stelzig (Hg.): Decades vol. 1, 1990-2000, Graffiti Writing in Berlin, Berlin 2021

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